Wenn ich verreise bin ich gar nicht immer so erpicht darauf jede einzelne Sehenswürdigkeit abzuklappern. Gerade bei Städtetrips kann das schnell mal anstrengend werden! Vor allem wenn sich manche der vermeintlichen Highlights als Touristenfalle entpuppen. Meistens bin ich ganz froh, wenn ich an Ratschläge von Einheimischen komme, wie etwa neulich bei meinem Girlstrip nach Mallorca! Einer meiner Freunde, der Martin, ist gerade für ein Auslandssemester in Venedig. Ich habe ihn einmal gefragt, ob er mir für meinen Blog Insider-Tipps für die wunderschöne Stadt im Nordosten Italiens geben kann:

Wer bist Du und was machst Du so?

Servus, ich heiße Martin und ich studiere Human-Computer-Interaction an der LMU in München. Zu Hause bin ich in Lalling im Bayerischen Wald, wo ich sehr gerne Tennis und Fußball spiele. Neben Sport – was ich seit ich in München wohne leider zu sehr vernachlässige – sind meine großen Hobbys meine Gitarre, Kochen und jegliche Technik.

Was bietet ein Auslandsstudium in Venedig?

Abgesehen von der unglaublich schönen und geschichtsträchtigen Stadt hat mich das Studienprogramm der Venice International University gelockt, da dort im Vergleich zu Erasmus Programmen ausschließlich Gaststudenten aus den 18 Mitgliedsuniversitäten aus der ganzen Welt studieren.

Vielleicht inspiriert durch die leckere, italienische Pasta hier in Venedig arbeite ich an der Uni an dem Projekt threetable. Was würde man kochen, wenn man nur drei bestimmte Zutaten zur Verfügung hätte? Auf threetable kann man sich hierzu mit anderen Hobby-Köchen austauschen.

Was reizt Dich an der Stadt besonders?

Im Gegensatz zu anderen Städten sucht man in Venedig vergeblich nach Autos, Bussen oder Fahrrädern. Der gesamte Verkehr, sei es Taxi, Bus oder privater Art findet auf den vielen Wasserwegen und der Lagune in unterschiedlichsten Booten statt. Sicherlich hat man das vorher schon einmal gehört oder gelesen, es dann aber selbst im Alltag zu erleben ist absolut faszinierend. Mein täglicher Weg zur Universität verläuft ebenfalls über den Wasserweg per Vaporetto auf die Insel San Servolo.

Besonders reizvoll sind natürlich die Architektur, Kunst, Geschichte und das magische Ambiente der gesamten Stadt. In vielen Städten suche ich die kleinen, alten Gassen aus vergangenen Zeiten. Hier in Venedig muss man nicht suchen. Die Stadt besteht ausschließlich aus diesen besonderen Orten, man kann ihnen nicht entfliehen und man entdeckt ständig neue. Wohin man geht und schaut kann man staunen und möchte ein Foto machen. Es gibt keine Altstadt, die gesamte Stadt ist das, was man besuchen und erleben sollte.

Venedig im Herbst und Winter – kann das was? 

Auf jeden Fall! Der Sommer und Herbst in Venedig ist von unglaublich vielen Touristen überlaufen, so dass Venedig oft mehr wie ein Freizeitpark wirkt. Tatsächlich wurde eine meiner Professorinnen auf der Straße ernsthaft gefragt, wie lange Venedig geöffnet ist und wann es am Wochenende schließt! Aber Tourismus und Venedig ist eine andere und schwierige Geschichte.

Was kann Venedig im Winter? Alles. Im Vergleich zum späten Sommer findet man ab November, Dezember immer weniger überfüllte Plätze vor. Es kehrt mehr Ruhe ein und man kann die Kulisse in seinem eigenen Tempo genießen, ohne in manchen Gassen Schlange stehen zu müssen. Zu dieser Jahreszeit bietet die Stadt ein ganz besonderes Ambiente. Es gibt viele Sonnentage und abgesehen von der Kälte wirkt es oft wie noch im Sommer. Das Besondere dürfte aber das manchmal diesige und neblige Wetter sein, das die Lagune in einen einzigartigen Schleier hüllt und die Sonnenuntergänge noch intensiver wirken lässt. Die Bedeutung des Beinamens “La Serenissima” (aus dem Lateinischen: serenus, heiter, ruhig, gelassen) wird einem erst richtig bewusst, wenn man Venedig zu dieser ruhigen Zeit erlebt.

Hast Du schon Lieblingsecken?

Keine konkreten. Ich wohne im Sestiere Castello, was ein relativ ruhiges Viertel ist. Dort leben hauptsächlich Einheimische und die Preise sind noch angenehm. Neben Castello finde ich auch das nördliche Viertel Cannaregio sehr schön, da auch hier mehr Ruhe herrscht.

Wo gibt es das beste Eis? Wo die beste Pizza?

Ich empfehle am Campo Santa Margherita eine Pizza im “Al Volo” zu essen. Generell ist es schwierig sich hier für ein Restaurant zu entscheiden, da es einfach unfassbar viele gibt. Pizza ist eigentlich nicht sehr typisch für Venedig. Vielmehr sollte man hier typische Gerichte wie Meeresfrüchte, Fisch und Tinten-Pasta probieren. Auch die einzigartigen “Cicchetti” in den Lokalen sollte man einmal gekostet haben. Das beste Eis habe ich weder gesucht, noch gefunden, da ich kein Eis-Virtuose bin. Freunde sind sich aber einig, dass man es in der Eisdiele “Venchi” findet.

Partyyy – Wo geht man aus in Venedig?

Typischerweise am bereits erwähnten Campo Santa Margherita. Es ist ein großer Platz voll mit Bars. Besonders im Sommer ist es üblich, auch eigene Getränke zu bringen und mit hunderten Jugendlichen und Studenten am Boden zu sitzen, zu trinken und Leute zu treffen.

Vor wenigen Wochen hat ein neuer alternativer Laden (Bar? Besetztes Haus?) eröffnet: Laboratori Occupato Morion. Dort spielen freitags zuerst Livebands und anschließend sorgt ein DJ für Stimmung.  Sehr zum Empfehlen sind auch die zahlreichen kleinen, meist unscheinbaren Bars und Cafés abseits der Touristenzentren San Marco und Rialto.

Was sollte man sich auf jeden Fall anschauen und was wird überschätzt?

Wenn man genug Zeit hat, sollte man sich alles anschauen! Die gesamte Stadt und nicht nur die “Attraktionen” die einem die Reiseführer vorbeten. Aber so ist es wahrscheinlich in den meisten Städten. Must-see ist dennoch der Piazza San Marco mit der Markusbasilika, dem Glockenturm etc. und der angrenzende Palazzo Ducale. Ist man nur wenige Tage hier, kann man damit und der Rialto Brücke gleich mal die typischen Sehenswürdigkeiten “abhaken”, sollte sich dann aber schleunigst aufmachen, den wunderschönen Rest der Stadt zu erkunden.

Venedig entdeckt man am besten zu Fuß und ohne Ziel. Es gibt viele Museen, jeder Palazzo, jede der 160 (!) Kirchen ist einen Besuch wert. Ich bin sehr froh, dass ich so lange Zeit habe, die Stadt zu entdecken, da man in einem Wochenendtrip nur einen Bruchteil der Orte in Ruhe besuchen kann.

Alle Fotos sind von Martin. Mehr Eindrücke aus Venedig findet ihr auf seinem Instagram Kanal fuasmattn.