Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass München anderen Großstädten was Fashiontrends angeht so ein kleines bisschen hinterherhinkt. Da passen wir ganz gut zusammen. Seit diesem Herbst sieht man auf den Straßen aber auch hier vermehrt ein Accessoire das lange verloren geglaubt war: Den Hut! Immer mehr vor allem junge Menschen tragen sie wieder, die Hüte von damals. Und es gefällt mir richtig gut.

HUT ODER NICHT HUT?

Trotzdem habe ich lange mit mir gehadert, ob auch ich zur Hut-Trägerin werden möchte. Ich trage aufgrund meiner Vorliebe für wohlig gewärmte Ohren zur kalten Jahreszeit sehr gerne Mützen, ja, ich bin sogar jemand, der mit dem Fahrradhelm in die Arbeit radelt. Aber so ein Hut ist gefühlt nochmal eine andere Kategorie. Zu wem passt das überhaupt? Ist das nur was für Vollblut-Hipster oder auch für mich? Als eine Freundin von mir bei einem Biergartenbesuch in der Waldwirtschaft mit einem schicken schwarzen Exemplar auftauchte und dabei einfach nur gut aussah war für mich klar, dass ich auch so einen Hut brauche, zumindest mal, um den Wohlfühlfaktor auszuloten.

Aber die Suche nach der geeigneten Kopfbedeckung war nicht leicht. Der Hut ist kein Standard-Accessoire mehr und hat so schnell etwas von Verkleidung. Bei den üblichen Händlern in der Münchner Fußgängerzone fand ich auch nur Hüte aus billigen Materialien, die diesen Eindruck nur noch verstärkten. Ich war schon kurz davor aufzugeben, denn zu viel Geld wollte ich für meinen ersten Hut auch nicht ausgeben, da entdeckte ich auf einem Flohmarkt einen echten Stetson, hergestellt in München, in sehr guter, neuwertiger Verfassung! Weil das auf Flohmärkten für mich dazu gehört handelte ich das Prachtstück von 6€ auf 5€ herunter – ein Schnäppchen, mit dem man nichts falsch machen kann!

WIE EINE ZEITREISE IN DIE VERGANGENHEIT

Nachdem ich mein Fundstück ein bisschen gereinigt hatte konnte ich das Hut-Experiment starten. Er trägt sich ganz gut und wärmt tatsächlich, auch wenn die Ohren nicht bedeckt sind. Anfangs fühlte ich mich ehrlich gesagt aber nicht sehr wohl, als ich mit dem Hut durch Münchens Straßen zog. Ein bisschen stört mich das etwas eingeschränkte Sichtfeld, aber vielleicht gewöhnt man sich daran noch. Kann auch an meiner Wahl des Hutes liegen, aber ich wirke damit nicht unbedingt wie eine stylische Fashionista. Vielleicht eher wie eine Jägerstochter vom Land oder eine Geheimdetektivin auf der Suche nach einer heißen Spur? Auf der einen Seite war es schon lustig sich in eine andere Zeit versetzt zu fühlen, auf der anderen Seite kam ich mir dadurch tatsächlich etwas verkleidet vor. Ich finde meinen Hut sehr schön, er ist ein Hingucker, fällt auf, wird positiv kommentiert. Man merkt aber, dass der Hut weiterhin als etwas Besonderes wahrgenommen wird. Auch für mich ist der Hut kein Must-have für jeden Tag geworden, aber bei der einen oder anderen passenden Gelegenheit, wie etwa dem Herbstspaziergang neulich durch den Englischen Garten, setze ich ihn sehr gerne auf.

Wie denkst Du über den Hut-Trend?

Fotos: Henri Palleis / www.alittlebit.me